Geschichte



Geschichtliche Entwicklung der Stadt Völkermarkt

Die vorstädtische Siedlung
Erste Erwähnung des Ortes im Mittelalter


Nach der Völkerwanderungszeit gab es im Raume zwischen den östlichen Karawanken und der Saualpe keine nennenswerte Siedlung. Die Römersiedlung Juenna (davon abgeleitet Jaunfeld) am Fuße der Petzen war untergegangen. Daher errichtete Graf von Engelbert von Spanheim um das Jahr 1090 auf dem Boden der heutigen Vorstadt St. Ruprecht an der Kreuzung der Klagenfurter Straße mit der Trixner Straße einen Handelsplatz. Mit der Markterrichtung wurde von ihm wahrscheinlich der rheinfränkische Kaufmann namens Volko beauftragt, der neben Kaufleuten aus seiner Heimat auch solche aus dem benachbarten Wallonien heranzog, die in der damaligen Zeit bestrebt waren, den Tuchhandel überallhin auszubreiten. In die Gründungszeit Völkermarkts fiel eine große Judenverfolgung in den rheinischen Städten. Ein Flüchtlingsstrom ergoss sich in den Südosten des Deutschen Reiches. Mit Zustimmung Kaiser Heinrichs IV. bot man den Juden Niederlassungsmöglichkeiten an wichtigen Handelsplätzen. So entstanden damals Judendörfer bei Villach, Friesach, Tamsweg, Graz und der Markt Judenburg. Nicht verwunderlich ist es daher, dass auch Juden unseren im Entstehen begriffenen Markt durch Zuzug verstärkten. In Urkunden aus der Zeit zwischen 1105 und 1126 wird der Markt „Forum Judeorum“ oder „Volchimercatus“ genannt. Das ist ein Beweis dafür, dass hier das jüdische Element relativ stark gewesen sein muss.
Nach Konsolidierung der Verhältnisse im Rheinland kehrten die meisten Juden wieder dorthin zurück. Die Judengemeinde in Völkermarkt hielt sich jedoch sehr lange und war im Mittelalter von erheblicher Bedeutung für Kärnten. In der weiten Umgebung der einzige Handelsplatz, blühte dieser rasch auf. Die Söhne des Marktgründers schenkten den Markt dem Stifte St. Paul i. L. Der eine Sohn, Bischof Hartwig von Regensburg, starb frühzeitig, der andere, Graf Bernhard, fiel 1147 von den Mauern von Laodicäa in Kleinasien. Er war mit Kaiser Konrad III. auf Kreuzzug ins Heilige Land gezogen. Nach dem Tode seiner Witwe Kunigunde fiel der Markt Volchimercatus endgültig dem Kloster St. Paul zu.

Die Entstehung der heutigen Stadt

Als im Jahr 1202 der kraftvolle und kluge Herzog Bernhard aus dem Hause Spanheim den Herzogstuhl bestieg, war er mit Erfolg bemüht, die Hausmacht und Gewalt der Herzöge in Kärnten zu stärken. Kraft seiner Funktion als Klostervogt von St. Paul errichtete er auf Striftsgrund und mit Stiftsmitteln im Jahre 1217 die erste Draubrücke bei Völkermarkt. Mit diesem Brückenschlag unterhalb der heutigen Bürgerlust schuf Bernhard die Voraussetzung für die Entstehung des neuen Völkermarkts. Den Markt um die Kirche St. Ruprecht, eine Gründung seiner Vorfahren, konnte er nicht mehr zurückgewinnen; er war fest in St. Pauler Hand. Zur Festigung seiner Macht im Lande brauchte er jedoch neben St. Veit und Klagenfurt noch einen dritten befestigten Platz. Sein Vorhaben, bei Wernberg über die Drau eine Brücke zu schlagen und einen Markt zu errichten, war am Widerstand und Einfluss des Bischofes von Bamberg gescheitert. Bernhard wollte den Warenverkehr nach Italien an dem bambergischen Villach vorbei leiten und sich so auf Kosten des Bischofs Einnahmen sichern. Bei Völkermarkt war er fest entschlossen, seinen Willen durchzusetzen.

So begann er im Jahr 1231 mit der Errichtung eines neuen Marktes auf dem strategisch ausgezeichnet geeigneten Geländevorsprung, der aber dem Stift St. Paul gehörte. Er wagte dieses Unternehmen Kraft seiner Funktion als weltlicher Schirmherr des Klosters. Aus dieser Situation ergaben sich in der Folge Streitigkeiten zwischen dem Abt von St. Paul und dem Herzog. Beide betrachteten den „Neuen Markt Völkermarkt“ als ihren Besitz und erhoben Anspruch auf die Einnahmen aus diesem Handelsplatz. Schließlich obsiegte der Herzog, und als auf die Spanheimer im Jahre 1286 die Herzöge aus dem Hause Görz-Tirol folgten, galt Völkermarkt unumstritten als herzogliche Stadt. Von Herzog Bernhard gefördert, blühte der neue Markt Völkermarkt rasch auf. Daneben verödete der alte stiftische Markt. Urkundlich wird Völkermarkt am 16. August 1252 zum ersten Male Stadt genannt. Das bereits an einer Urkunde vom 1. Juli 1267 hängende Stadtsiegel zeigt drei Türme. Das neue Völkermarkt entwickelte sich also noch während der Regierungszeit Herzog Bernhards (1202 – 1256) zur Stadt mit Wahlrecht und Wehranlagen.

Der Name der Stadt

In Urkunden aus dem Anfang des 12. Jahrhunderts heißt die Siedlung einmal „Forum Judeorum“, Judenmarkt und ein anderes Mal „Vochimercatus“, Markt des Volko. Später setzte sich der Name Volchenmarkt durch. Die Humanisten latinisierten ihn und prägten „Gentiforum“, Markt der Völker, Völkermarkt. Diese Bezeichnung ist seit 1770 offiziell in Verwendung. Der Volksmund deutet den Namen durch eine sagenhafte Schilderung: Die beiden ritterlichen Brüder Volko und Galo gerieten ob der Wahl des Ortes der durch sie zu gründenden Stadt in Streit. Der eine wollte sie im Drauboden errichtet wissen, um sie, unmittelbar an der Wasserstraße gelegen, besser zu einem bedeutenden Handelsplatz entwickeln zu können, während der andere das hochwassergefeite Plateau als geeigneter erachtete. In einem Waffengang gewann Volko, und die Stadt wurde nach seinem Wunsche gebaut. Darum hieß sie auch Volkomarkt, Markt des Volko. Die Bevölkerung sieht vielfach im Ritter auf der im Rundtum eingemauerten Reliefplatte den Stadtgründer. Dieser stellt jedoch vielmehr einen adeligen Herrn des 16. Jahrhunderts aus dem Geschlechte der Ungnad dar (Schloss Sonnegg), dem vorübergehend die Stadtburg gehörte.

Die Stadt als Siedlung
Anlage der Stadt

Die Häuser des herzoglichen Marktes gruppierten sich ursprünglich um den heutigen Unteren Hauptplatz. Bald wurde aber dieser nach der einzigen möglichen Richtung, nämlich nach Norden, erweitert. So wie Klagenfurt und St. Veit befestigte Bernhard auch Völkermarkt. In den gefährdetsten Teil der Stadtbefestigung verlegte er seine Stadtburg. Dies geschah schon um das Jahr 1250. Vorher schützte er Brücke und Markt wahrscheinlich durch eine auf der heutigen Bürgerlust erbaute Burg.

Wichtige Anlagen und Gebäude

Von der alten Stadtbefestigung stehen heute noch er runde Turm bei der ehemaligen Stadtburg und der sogenannte Gratzhofer Turm. Das Klagenfurter und das Griffner Tor sind vor ca. 180 Jahren abgetragen worden. Erhalten geblieben ist auch das Türlein, durch das man zu Fuß auf den Fahrweg gelangen konnte, der von Klagenfurt kommend, über den Postriegel zur Drau und Brücke führte. In einem zur Stadtburg gehörenden Gebäude war über Stallungen im ersten Stock ein intimes Stadttheater untergebracht. Es musste im Zuge des Baues der Neuen Burg (Eröffnung 1951) abgetragen werden. 1453 schenkte Kaiser Friedrich III. die Burg der Stadt. Da die Stadt mit dem an der Ecke zwischen dem Oberen und Unteren Hauptplatz im Jahre 1499 neu erbauten Rathauses ihr Auslangen fand, hat sie die Burg an einen Adeligen weiter veräußert. Das damalige Rathaus trug ein Türmchen und ist das heutige „Alte Rathaus“ mit dem Laubengange. Bis ins 18. Jh. Wechselte die Burg mehrere Male ihren Besitzer. So gehörte sie 1616 dem Herrn von Tattenbäck und später längere Zeit dem Adelsgeschlecht der Ungnad. 1776 stiftete Josef Weitenhiller, der wegen seiner großen Verdienste um Handel und Industrie geadelt worden war, sein großes Haus am Hauptplatz, nämlich die ehemalige Burg, der Stadt Völkermarkt. Schon damals diente das Gebäude Soldaten als Unterkunft. Die städtische Kaserne hatte durch den Brand im Jahre 1802 stark gelitten. Hernach entstand die heutige Fassade. Rathaus wurde das Gebäude nach einem gründlichen inneren Ausbau 1954. Die seit 1496 betriebene Austreibung der Juden aus Völkermarkt wie aus ganz Kärnten hatte zur Folge, dass die Stadt vom Kaiser Maximilian die ehemalige jüdische Synagoge als Geschenk erhielt. Ein Teil davon ist heute das inzwischen aufgelassene Gefangenenhaus des Bezirksgerichtes. Dieses wurde anlässlich des Zubaues an das Gerichtsgebäude abgetragen (1979). Zur Blüte der Stadt Völkermarkt am Ausgange des Mittelalters muss der Zustrom aus der nahen und weiteren Umgebung sowie aus der Fremde (hauptsächlich Bayern und Franken) beträchtlich gewesen sein. Der Raum innerhalb der Mauern reichte nicht mehr aus. So musste sich die Stadt über die Mauern hinweg ausdehnen. Es entstand die Obere und Untere Vorstadt. Die erste Erwähnung der Klagenfurter Vorstadt fällt in die zweite Hälfte des 15. Jh. Im 16 Jh. gab es bereits beide Vorstädte. Schon vorher wurde an der Westseite ehe ehemals rechteckigen Hauptplatzes eine Häuserreiche eingebaut, wodurch der Platz die heutige Hakenform erhielt. Die Austreibung der Juden 1496 soll zum Teil auf die herrschende Raumnot zurückzuführen sein. Der Drang in die Städte hatte verschiedene Ursachen. Anfangs lockte die Aussicht, persönlich frei zu werden. „Stadtluft macht frei“ war ein geflügeltes Wort. Später wusste man die Wehranlagen zu schätzen, die besseren Schutz bei kriegerischen Auseinandersetzungen boten. Außerdem konnte man im Handel und Gewerbe leicht Arbeit und Brot finden. Bedrückende Enge und schlechte hygienische Verhältnisse machten den Zuzug von außen auch notwendig. Die Sterblichkeit in den Städten war groß. Seuchen und Brände lösten einander ab.
In den Jahren 1951 bis 1971 stieg die Einwohnerzahl der Stadt um 18 %. Dies lässt erkennen, dass sich die Existenzgrundlage für die Bevölkerung verbessert hatte. Bestehende Betriebe konnten in dieser Zeit gefestigt und ausgebaut, neue angesiedelt werden. Mit 1. Jänner 1973 sind die ehemaligen selbstständigen Gemeinden St. Peter am Wallersberg, Waisenberg, Tainach und Haimburg nahezu unverändert mit dem Stadtgebiet zur Großgemeinde Völkermarkt vereint worden. Die neue Gemeinde umfasst seither 137 km², 78 Ortschaften mit rd. 11.370 Einwohnern.

Quelle: Völkermarkt, Chronik der Großgemeinde, Eigenverlag der Stadt Völkermarkt, 1980

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